Wichtiger Hinweis: Die Dornberger Straße wird stadtauswärts hinter dem Ortsende Hoberge-Uerentrup (Ecke Mönkebergstr.) ab dem 27. Juli wegen Bauarbeiten für einige Wochen gesperrt. Aus Richtung Stadtzentrum Bielefeld wird das Obst-Arboretum jedoch weiterhin (über Dornberger Str. bzw. Johannistal) erreichbar sein !
Das „Obst-Arboretum Olderdissen“ in Bielefeld – am Rande der Stadt im Teutoburger Wald gelegen – dürfte mit seinen fast 400 verschiedenen Apfelsorten eine der größten Sammlungen alter Obstsorten in Nordrhein-Westfalen sein. Der seit 1995 in privater Initiative entstandene Obstgarten beherbergt auf seinen 2 ha. inzwischen auch zahlreiche Kirschen-, Pflaumen- und Aprikosensorten sowie seit einigen Jahren auch eine Beerenobstsammlung.
Ganz bewusst verzichten wir bei der Pflege der Obstbäume auf die vielfältigen chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen des konventionellen Obstanbaus ebenso wie auf den im Biologischen Anbau üblichen Schwefel- und Kupfereinsatz. Denn wir wollen wissen, welche Apfelsorten sich auch für einen fungizid-freien Anbau eignen. Nur unter solchen Bedingungen zeigt sich ungeschminkt, welche Apfelsorten wirklich robust sind – und robust sind gerade die traditionellen „alten“ Sorten und nicht heutigen Supermarkt-Sorten (wie z.B. Jonagold, Gala, Rubinette, Braeburn), die ohne intensiven Pflanzenschutz starken Schorf- und Mehltaubefall zeigen.
Hofladen: Freitags 12-19 Uhr
Die Früchte dieses „Obstparadieses“ gibt es seit 2015 auch freitags im Hofladen in der Dornberger Straße 197 zu kaufen – einer der ganz wenigen Orte in Deutschland, an denen die Besucher fast ganzjährig noch die traditionellen „alten“ Sorten bekommen können.
Weil die alten Sorten nicht nur robuster im Anbau sind, sondern oft auch mehr wertvolle Inhaltsstoffe enthalten und von Apfel-Allergikern vertragen werden, hat die Erhaltung dieser Sorten und ihrer Vielfalt langfristig auch eine überragende Bedeutung für die Ernährungssicherung. Nicht zuletzt deshalb ist das Obst-Arboretum Olderdissen seit 2012 auch Mitglied der ‚Deutschen Genbank Obst’, des ‚Erhalternetzwerks Obstsortenvielfalt’ des Pomologen-Vereins e.V. sowie der ökologischen Züchtungsinitiative apfel:gut e.V.
2023 haben wir (Hans-Joachim Bannier und Simon Avenwedde) in unmittelbarer Nähe auch ein Birnen-Arboretum mit über 100 Birnensorten angelegt, das ebenfalls der Sichtung, Forschung und Züchtung dienen soll. Sobald die Bäume zu tragen beginnen, soll es die Birnenvielfalt natürlich auch im Hofladen zu kaufen geben!
2022 sind wir mit dem Umwelt- und Klimaschutzpreis der Stadt Bielefeld ausgezeichnet worden.
Führungen durch das Obstarboretum
Die hier in langjähriger Beobachtung gesammelten Erfahrungen über die Eignung alter und moderner Sorten für den Haus- und Kleingarten bzw. die Streuobstwiese versuchen wir auch auf Führungen durch das Obst-Arboretum an Interessierte weiterzugeben. Im Winter/Frühjahr kommen Vorführungen zu den Themen Obstbaumschnitt, Veredeln sowie weiteren Themen rund um den Obstbaum hinzu. Für feste Gruppen gibt es auch Termine nach Vereinbarung.
E-mail-Verteiler / Kontakt
Bei Interesse an den Angeboten des Obst-Arboretums können Sie eine E-mail richten an die Adresse alte-apfelsorten(at)web.de und sich in den Mail-Verteiler eintragen lassen. Dann erhalten Sie Infos über Hofladen-Angebote, Führungen oder sonstige Veranstaltungen rund ums Obst-Arboretum sowie auch den ein oder anderen fachlichen Tip.
Aktuell: Am 17. Juni hat das Europa-Parlament in Straßburg eine weitreichende „Deregulierung“ der sogenannten „Neuen Gentechniken“ beschlossen.
70 Organisationen protestieren gegen die Beschlüsse und haben erklärt:
„Sollte dieses Gesetz inkraft treten, würden wesentliche EU-Sicherheitsvorkehrungen fürknapp 90 Prozent aller zu erwartenden NGT-Pflanzen wegfallen. Das bedeutet: Keine verpflichtende Risikoprüfung für NGT-Pflanzen. Kein Schutz vor Gentechnik-Verunreinigungen und keine Haftungsregeln im Schadensfall. Keine verpflichtenden Nachweisverfahren. Keine Rückholbarkeit der NGTs aus der Umwelt. Keine Kennzeichnungspflicht vom Endprodukt und damit keine Wahlfreiheit für Verbraucher:innen. NGT-Pflanzen könnten ungewollt und unkontrollierbar in unser Saatgut, auf unsere Felder und in unsere Lebensmittel gelangen – ohne dass die Menschen davon wissen. Das missachtet das EU-Vorsorgeprinzip und die Rechte von Lebensmittelerzeugenden und Verbraucher:innen selbstbestimmt zu entscheiden, was sie anbauen und essen.
Zudem würde das Gesetz den Weg ebnen für eine neue Patentflut auf Saatgut. Bäuer:innen und Saatgutzüchter:innen würden einem massiven Risiko von Patentklagen, rechtlichen Drohungen und der Abhängigkeit von multinationalen Gentechnik-Konzernen ausgesetzt. Die vielfältige Züchtung und Unabhängigkeit Europas wären bedroht. Deshalb sind Patente auf Saatgut, deren Produkte und genetische Eigenschaften zu verbieten.„
Was hier in Brüssel und Straßburg beschlossen wurde, ist verantwortungslos, dient vor allem Konzern-Interessen und schreit nach einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof. Anfang Juni hat bereits der Oberste Gerichtshof für England und Wales das britische Gentechnik-Deregulierungsgesetz für rechtswidrig erklärt (dieses war ähnlich dem EU-Vorhaben beschlossen worden, in der Hoffnung auf freien Handel mit den USA). Ob auch einzelne Mitgliedsstaaten der EU jetzt Klage gegen die NGT-Verordnung erheben werden, bleibt abzuwarten. In Deutschland ruft die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) zu Spenden auf für die Prüfung einer sog. ‚Direktklage‚,da nicht nur Staaten, sondern auch bäuerliche Betriebe und die gentechnikfreie Lebensmittelwirtschaft von der Deregulierung betroffen sind und damit klageberechtigt sein können. Nähere Infos zum Spendenaufruf beim FaNaL e.V. (Verein zur Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft), https://www.fanal-ev.de/startseite
–> Nähere Info siehe ‚Newsletter‘ ___________________________________________________________________________________________________